Lange musste ich den Herbst und den Winter überstehen, endlich war es soweit.
Der langersehnte Frühling war 2024 relativ zeitig da, endlich konnte ich wieder mit meinem Fotorucksack auf dem Rücken verschiedene Gebiete erkunden, die ersten Falter suchen.
Wie jedes Jahr war ich mit befreundeten Schmetterlingsfotografen auf Tour.
Meine 1. geplante Tour zum Kaiserstuhl fiel buchstäblich wegen Regen ins Wasser.
Das schöne Altmühltal war neben der Schwäbischen Alb die vergangenen Jahre immer ein großes Ereignis und begehrtes Reiseziel, doch dieses Jahr hatte ich andere Pläne.
Ich fuhr zum ersten Mal in die Eifel, verbrachte 3 Tage dort und fuhr für weitere 3 Tage in die Rhön.
Mit dabei auf der Tour war Simon Feldmann, ein Makrofotograf aus dem Westmünsterland.
Wir haben vor dem Trip ausgiebig recherchiert, viele Gebiete stehen nicht im Internet, wer eine Person kennt die ortskundig ist hat natürlich klare Vorteile wo genau er suchen muss.
In Ripsdorf bei Blankenheim angekommen machten wir uns, nach einer kleinen Rast, direkt auf um die erste Wiese zu besuchen, wir fuhren in das schöne Seidenbachtal.
Die Informationstafel am Parkplatz versprach mit einer Aufnahme vom Zwergbläuling bereits ein tolles Motiv, welches wir beide selbstverständlich nicht verschmäht hätten.
Doch es sollte alles anders kommen ......
Nach den ersten paar Schritten im Gebiet fing es stark an zu regnen, wir mussten uns daraufhin unter einen Baum stellen, uns blieb nichts anderes übrig als zu warten.
Als nur noch leichter Nieselregen vom Himmel fiel liefen wir weiter um die ersten Tagfalter zu finden, zu unserem Erstaunen waren die Wiesen aber alles andere als gut von Schmetterlingen besucht.
Neben den obligatorischen Schachbrettfaltern, Ochsenaugen und einigen Sechsfleck Widderchen konnten wir kaum andere Arten beobachten, jedenfalls keine Arten die wir beide als Zielmotiv hatten.
Immerhin hat es an diesem Tag trotz dem schlechten Wetter für eine neue Art gereicht, wenn auch nicht mit perfektem Licht.
Das weißbindige Wiesenvögelchen Coenonympha arcania :
Fast zufrieden und mit den ersten Eindrücken vom Eifelgebiet legten wir uns, spürbar erschöpft von der langen Autofahrt, und dem Marsch durch einige andere Gebiete, an diesem Abend in das gewöhnungsbedürftige Bett.
Am nächsten Morgen sollte es vor Sonnenaufgang zu einer vielversprechenden Wiese gehen, gesucht wurde der Baumweißling und der Zwergbläuling.
Leider konnten wir beide Arten nicht finden, so mussten wir notgedrungen die unzähligen Schachbrettfalter fotografieren, um wenigstens ein paar schöne Aufnahmen zu machen und um das tolle Licht an diesem Morgen zu nutzen.
Etwas enttäuscht von der Artenvielfalt fuhren wir zurück nach Ripsdorf.
Diese Aufnahme von zwei Schachbrettfaltern konnte ich machen:
Am Abend besuchten wir ein tolles Moorgebiet, das Rohrvenn, an der belgischen Grenze.
Ein riesiges weitläufiges Moor, gesäumt von dementsprechender Vegetation, zog uns sofort in seinen Bann.
Und wir hatten tatsächlich Glück, nach etwa 30 Minuten flog schon die erste interessante Tagfalterart an uns vorbei, der Braunfleckige Perlmuttfalter Boloria selene.
Eine Art die ich schon jahrelang gerne fotografieren wollte.
Da es an jenem Abend recht heiß war, entschieden wir uns dafür am Morgen zurück zu kehren.
Wir konnten morgens etwa 4 Braunfleckige Perlmuttfalter finden, die noch mit unzähligen kleinen Tautropfen benetzt waren.
Einziges Manko war das schon viel zu harte Sonnenlicht im Hintergrund, welches uns das goldene Bokeh schmälerte.
Braunfleckiger Perlmuttfalter Boloria selene:
Aber auch die schönste Makrotour hat irgendwann ein Ende, spätestens wenn die Falter die Flügel öffnen um in den Tag zu fliegen.
Und so sollte es auch dieses Mal sein, als die Temperaturen stiegen flogen uns die Motive davon.
Die Aufnahmen im Kasten haben und den Faltern bei dem Abflug zu zuschauen waren mal wieder schöne Naturschauspiele, die wir beide genießen durften.
Motiviert für weitere Abenteuer zogen wir quer durch das Eifelgebiet, steuerten viele verschiedene Wiesen an, doch die Baumweißlinge blieben aus.
Ich habe Andreas Kolossa in Ripsdorf getroffen, mit dem ich 2 Locations besucht habe, er erzählte mir das es dieses Jahr mal wieder ganz schlecht um die Schmetterlinge steht.
Viele Arten die man sehr häufig und in großer Anzahl noch vor ein paar Jahren finden konnte, blieben aus oder flogen nur in geringer Stückzahl, berichtete mir Andreas.
Mit dieser schlechten Nachricht konfrontiert habe ich mich in Gedanken selbst vertröstet und an die wunderschöne Session im Moor gedacht, glücklich, das ich unter solch schlechten Aussichten, trotzdem noch eine schöne Art wie Boloria selene finden konnte, die bereits im Juli eigentlich nicht mehr leicht zu finden ist.
3 Tage in der Eifel waren nun vorbei, für die letzte Tour entschlossen wir uns, am Tag der Abfahrt, erneut in ein Moorgebiet zu fahren.
Ziel war es den Hochmoor Perlmuttfalter zu finden, eine streng geschützte und sogleich wunderschöne Art, die wir beide noch nie vor der Kamera hatten.
Der Wecker schrillte um genau 4:30 Uhr wie eine Sirene um mich aus dem Reich der Träume in das Reich der Hochmoor Perlmuttfalter zu bringen.
20 Minuten Fahrt, noch dunkel und leer auf den geschlängelten Serpentinen die uns durch das Schafbachtal führten, waren wir endlich dort.
Ganz alleine konnten wir beide die Stimmung im Moor fühlen und machten uns direkt auf die Suche.
Ich konnte den ersten Hochmoor Perlmuttfalter bereits nach etwa 10 Minuten im Gebiet entdecken, aber auch der Adlerblick von Simon war an diesem Morgen geschärft, denn kurz darauf hat auch er ein Exemplar gefunden.
Es waren insgesamt 8 Falter, in einem sehr guten Zustand, zu finden.
Die Vegetation im Moor bot uns tolle Ansitze, die wir beide bis dato noch nicht kannten.
Das erste Sonnenlicht strahlte bereits den vor uns liegenden Wald an und wir freuten uns auf die gleich beginnende Fotosession.
Die Motive bereits auf der Pflanzenklammer sitzend, waren noch mit Tau bedeckt und konnten somit nicht wegfliegen.
Unglaublich schöne Aufnahmen sind entstanden, hier ein paar Impressionen:
Mit jeder Menge Fotos im Gepäck machten wir uns beide sehr zufrieden auf den Heimweg, diese letzte Session in der Eifel hat definitiv die letzten Tage wieder gut gemacht.
Leer gefegte Wiesen und bescheidenes Wetter legten einen Schatten auf unseren Trip, wir waren also sehr froh das es dieses Mal geklappt hat, mit einer so tollen Art.
Motiviert und neugierig verabschiedeten wir uns von der Eifel und fuhren 4 Stunden lang in die Rhön.
Mach's gut Eifel, ob wir uns wieder sehen? Wahrscheinlich schon!
Hallo Rhön!
Nach einer 4stündigen Autofahrt bei 32 Grad Außentemperatur waren wir da, die Kulisse der Rhön erstaunte uns bereits auf den letzten Kilometern durch die kleinen Ortschaften.
Angekommen und im ersten Gebiet stehend, mit Blick auf die Berge, wussten wird genau das die Landschaft im Rhöngebiet wie geschaffen für Schmetterlinge ist.
In der Rhön fliegen viele schöne, aber auch viele sehr seltene Tagfalterarten umher.
Das Biosphärenreservat Rhön beherbergt viele Tier und Pflanzenarten und ist ein Grenzgebiet der Länder Bayern, Hessen und Thüringen.
Unser Zielmotiv in der Rhön war der sehr seltene, vom Aussterben bedrohte Streifenbläuling.
Polyommatus damon, auch der Weißdolch oder Esparsetten Bläuling genannt, ist eine für den Laien gesehen, rein optisch, unscheinbare Art.
Doch diese Art fliegt tatsächlich nur noch lokal auf ein paar Wiesen in Deutschland, die Bestände sind stark bedroht und er rangiert tragischerweise ganz oben auf der Roten Liste.
Makrokumpel Jan Hofmann aus Fürth schloss sich uns für die 3 Tage Rhön an, auch er hatte den Streifenbläuling noch nie vor der Linse gehabt.
Mittlerweile zu dritt fuhren wir morgens in ein Gebiet das nicht besser hätte sein können.
Gleich mehrere Exemplare, Männlich und Weiblich, waren schon nach dem ersten flüchtigen Blick auf der Wiese zu erkennen.
Zusammen mit frisch geschlüpften Silbergrünen Bläulingen, hingen sie, fast anmutig, zahlreich an den Halmen.
Wir waren erstaunt etwa 40-50 Exemplare zu zählen und gleichzeitig froh das es doch noch eine stabile Population in der Rhön gibt.
Folgende Aufnahmen entstanden in den nächsten 3 Tagen Rhön, einige freihand in den Abendstunden, einige morgens mit Stativ :
Ständiger Wind, starker Regen, viele Wolken und ungünstige Temperaturen machten uns die Arbeit vor Ort sehr schwer, wir konnten keineswegs mit der routinierten Vorgehensweise Aufnahmen realisieren.Viele Aufnahmen habe ich im Serienbild Modus freihand gemacht, viele Falter setzten sich dicht in die Sträucher und nahmen uns die Möglichkeit freizustellen.
Ich bin trotz aller Hürden sehr zufrieden mit meinen Aufnahmen und freue mich über diese tolle Entdeckung, alleine dafür haben sich stundenlange Autofahrten gelohnt.
Am letzten Tag verabschiedeten wir uns von den Streifenbläulingen und der Rhön, jeder von uns ging seiner Wege, mit den Eindrücken und den fest gehaltenen Momenten auf der Speicherkarte.
Danke Simon, Danke Jan, es war eine sehr schöne Tour.
Bis bald mal wieder und danke für`s lesen.
-Sebastian Morweiser Juli/24